Unser fünfter Urlaub in Burgas

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Wie jedes Jahr brachen wir auch Mitte Juni 2017 ans Schwarze Meer nach Burgas auf, wo uns schon zum 5. Mal immer die gleiche nette Dame an der Rezeption des Grand Hotels begrüßte. Auch unser Apartment war wieder das gleiche!

Es ging gleich aufregend los, denn aus Sveti Konstantin reisten unsere Moskauer Freunde Ludmila und Borja an, um mal zu prüfen, ob es auch Alternativen zum gewohnten Palace-Hotel dort gibt.

Das wurde ein netter gemeinsamer Tag mit Mittagessen im Neptun und einen Bummel entlang der Strandpromenade sowie durch das Stadtzentrum. – so was gibt es nämlich in Sveti Konstantin nicht!

Auch unser Wellnessbereich und die Poollandschaft schnitten natürlich besser ab!

Nach ausgiebigem Bummel waren wir doch verschwitzt und nahmen ein Taxi für die 2 km zum Hotel. Nach Taxameter würde das nur 80 Cent kosten, aber für 2,50 € fuhr der Taxifahrer dankbar das kurze Stück. Er hatte zuvor 40 Minuten auf einen Kunden gewartet! Von einem Mindestlohn sind die Leute hier epochenweit entfernt!

Nachdem sie sich wieder per Taxi auf den 140 km langen Weg machten, genossen wir den Opernhöhepunkt mit sechs exzellenten und sogar äußerst attraktiven Sängerinnen sowie acht machtvollen Sängern vom Tenor bis zum Bass-Bariton. Und das für umgerechnet 4  € auf den besten Plätzen.

Stehender Applaus dankte den Künstlern für die exquisite Vorstellung. Doch leider war es in diesem Jahr die letzte und einzige Opernaufführung während unseres Aufenthalts – die Truppe geht auf Tournee, und erst  im Juli geht es weiter, leider ohne uns!

Nach bisher vier Aufenthalten in Burgas gibt es natürlich auch vier Reiseberichte mit Vorstellung des luxuriösen Grand Hotels, der Stadt Burgas und Umgebung, der Museen- & Opern/Ballettbesuche, der Erlebnisse mit Moskauer Schwesterfamilie  usw.

Auch in diesem Jahr hatten wir wieder unsere schattenspendende Baldachindoppelliege im Garten, dienstbare Geister waren stets da, um unsere Wünsche von den Augen abzulesen, und unsere Zimmerfee bedankte sich mit netten Handtuch-Figuren für unser tägliches Trinkgeld.

Aber wir erlebten auch viel Neues.

Das unschöne Neue in diesem Jahr: ringsum wird gebaut und umgestaltet. Die EU hat 15 Millionen € spendiert und die Stadt Burgas hat es nicht geschafft, die Bautätigkeit bis zum Beginn der Urlaubssaison zu beenden. So kam es einem manchmal vor, als ob man den Urlaub im Industriegebiet verbringt. Allerdings war vom Lärm weder am Strand noch im Poolbereich zu hören, so dass wir den Industrieurlaub mit Humor und guter Laune ertrugen.

Immerhin wurde es geschafft, dass nach zwei Tagen die Holzplatten zum Strand ausgelegt wurden und das große Beet vor dem Hotel mit Blumen bepflanzt war. Am Strand gab es nun auch schöne rundum schattenspendende Baldachingestelle. Nur die Dusche für die Fußreinigung war nicht mehr funktionsfähig. Wir halfen uns aber selbst, indem wir eine Plasteflasche mit Meerwasser  füllten – sozusagen als Handdusche. Die Vergeudung von EU-Geldern aber konnte man an den unnützen Gestellen entlang des Weges vor dem Hotel erkennen, wo nach 4 Wochen die weißen Metallbänder schon verrostetet sind und das Holz Risse und Flecken bekam. Das sieht doch echt nach Vetternwirtschaft aus! Aber immerhin, am vorletzten Tag war unser kurzer Weg zum Strand auch endgültig asphaltiert! Auch wurden alle 20 m rote Behälter für Hundekot angebracht! Berlin hat das nicht und sollte wohl auch EU-Mittel dafür beantragen!

Das Hotel tat auch viel, damit die Gäste sich wohl fühlten – zum Beispiel ein Pianonachmittag mit „Freisekt“ und viel Obst oder ein Abend mit einer bekannten Jazzband aus den USA. Dabei konnte man die 40 € Eintritt in den Garten (einschließlich 4-Gänge-Menü) auch sparen, wenn man gleich daneben im Galerie-Cafe einen nur Drink nahm!

Schöne Stimmung gab es sowieso!

In der Stadt Burgas  ist inzwischen die bisherige Dauerbaustelle um die Basilika Kirill und Metodi auch einem schönen Platz gewichen. Vier Jahre hatten wir nur einen hässlichen Bauzaun gesehen!

Unser Ausflug nach Pomorie – dem benachbarten Touristenort war nur durch den Besuch des St. Georgs-Klosters eine Attraktion. Ansonsten ist der Ort weniger sehenswert und wenn man gleich vor die Kirche einen Vergnügungspark setzt, zeugt  das nicht gerade von gutem Geschmack.

Im Kloster leben heute sogar noch Mönche, die Wein anbauen und sogar Schnaps brennen. Dazu gibt es eine sehr bedeutungsvolle Ikonengalerie und eine schöne Kirche mit abseits stehendem Glockenturm.

Es ist übrigens das einzige Kloster an der bulgarischen Küste, das noch in Funktion ist.

Nach der Überlieferung rastete der Apostel Andreas auf dem Weg nach Kiew  in der Stadt Anchialos (heute Pomorie). Hinweise auf klösterliches Leben reichen bis in das 3. – 4. Jahrhundert zurück. Das Kloster wurde von griechischen Kolonisten im 7. Jahrhundert gegründet und wurde beim Vormarsch durch Osmanischen Truppen nach 1458 vollständig zerstört. Auf dem Klostergelände entstand der Hof eines türkischen Gutsherren, der als Landeigentümer eingesetzt war. Der Legende zufolge erkrankte dieser türkische Feudalherr namens Selim Bej an einer unheilbaren Krankheit. Eines Nachts träumte er, auf dem Hof seines Gutes befände sich eine heilende Quelle. Am nächsten Tag ließ er auf dem Hof graben und stieß auf eine Marmorplatte mit dem Relief Georg des Drachentöters. Unter der Platte entsprang eine kleine Quelle. Er trank daraus, gesundete und bekehrte sich daraufhin mit seiner Familie zum Christentum. Seinen Landbesitz schenkte er an das neu zu errichtende Kloster „Sveti Georgi“.

Die heutige Klosterkirche wurde 1856 auf den Grundmauern einer sehr viel älteren Kirche errichtet. Die in der Legende genannte Marmorplatte mit dem Relief des Heiligen Georg wurde über dem Kirchenportal in das Mauerwerk eingearbeitet. Der Glockenturm befindet sich etwas abseits direkt über der heiligen Quelle.

Im Untergeschoss des Glockenturmes können Gläubige von der Quelle trinken und das Wasser in Flaschen abfüllen. Auf dem Klosterhof befindet sich ein kleiner Garten mit Gemüseanbau für den Eigenbedarf. Sehr gepflegt sah das nicht aus.

Besondere Höhepunkte waren unsere zwei Fahrten nach Sosopol. Bisher galt unsere Aufmerksamkeit stets der Südseite mit ihren rekonstruierten Wehranlagen sowie den Gassen in der Mitte der Halbinsel mit ihren typischen Holzhäusern, vielen Läden, Bilder- und Kunstgalerien, superkleinen Kirchen und archäologischen Ausgrabungen.

Sosopol ging aus der griechischen Kolonie Apollonia hervor und eine der ältesten Städte Bulgariens. Von der Antike bis ins 17. Jahrhundert war Sosopol eine florierende Handelsstadt. Sie hatte den Ruf einer Winzer- und Fischerstadt. Ab der Spätantike entwickelte sich die Stadt zu einem Bischofssitz, dem im Mittelalter mehrere Klöster in der Stadt und in der Umgebung unterstanden. Von der Antike bis in das erste Viertel des 20. Jahrhunderts war Sosopol eine Stadt mit überwiegend griechischer Bevölkerung. Sosopol blieb bis zum September 1885 osmanisch. Zu diesem Zeitpunkt vereinigte sich die osmanische Provinz Ostrumelien nach einem Militärputsch mit dem Fürstentum Bulgarien. Nach den antigriechischen Pogromen in Bulgarien 1906 wurden die Einrichtungen der Griechen in der Stadt geschlossen und enteignet, darunter die Kirchen, die Bibliothek und die griechischen Schule. In den folgenden Jahrzehnten wanderte die gesamte griechische Stadtbevölkerung aus.

Dafür haben sich heute die Amis mit ihrem Militär  hier breit gemacht!

Nun besuchten wir die Nordseite – und hier fanden wir sogar noch Reste der antiken griechischen Wehranlage sogar eine kleine griechische Kapelle.

Besonders beeindruckend aber fanden wir die „alte Mühle“ – ein Restaurant über dem Felsen mit breiter Fensterfront zur Bucht von Burgas und mit Blick auf die Insel der heiligen Anastasia!

Hier wollten wir noch einmal einen Abend den Sonnenuntergang mit bulgarischer Folklore erleben – und das natürlich gleich nach dem längsten Tag des Jahres, am 22. Juni 2017! Den phantastischen Sonnenuntergang genossen wir gemeinsam mit Elvira und Georg aus Pforzheim.

Und dann ging es los mit Musik und den Tänzen der bulgarischen Männer mit Eselsmasken. Die Mädchen tanzten besonders nett und boten das in slawischen Ländern als Willkommensgruß übliche Brot!

Der Abend endete mit einem regelrechten Flambierfeuerwerk. Ob das so gewollt war, dass die Flammen bis zum Holzdach stießen ist eine andere Frage – schön anzusehen war es schon!

Auch in Burgas nahmen wir Gelegenheit wahr, außer den bisher zumeist besuchten Gaststätten „Neptun“, „Goldenes Fischchen“ oder „Nüsschen“ auch andere Restaurants kennen zu lernen. Im „Adonis“ gab es sogar Fernet Branca – erstmals im Ausland angetroffen (außer Italien und Spanien, wo es Fernet natürlich auch gibt).

Ein Abend mit Musik und viel Gesang bescherte uns der Besuch des Parkrestaurants „Burgaser Abend“. Schön das Gemix aus europäischen Ohrwürmern und schon mehr ins Türkische schlagende Musik des Balkans.

Auch das Anschauen der anmutigen bulgarischen Tänze junger Mädels war eine besondere Augenweide!

Dieses Jahr haben wir den Park weiter ergründet, der sich ja über 8 km entlang des Strandes hinzieht. Ein Stück des Weges kann man auch mit dem Elektrobus fahren!

Es gibt nicht nur jede Menge Restaurants, wunderschön gestaltete Grasfiguren und Gärten sondern auch alle möglichen Attraktionen für Kinder und sogar eine Kunsthandwerks-Verkaufsausstellung.

Ein wahres Paradies für Groß und Klein!

Paradiesisch ist auch der Markt von Burgas, wo es die leckeren sonnengereiften Tomaten gibt, aber auch jede Menge Kirschen, Aprikosen u.a. für Minipreise (Kirschen von 1 € bis maximal 1,75 €/ kg). Aber auch Mandeln oder Rosinen sind hier besonders gut gelungen, und wenn man den Steinbutt für 15 €/kg sieht, bedauert man, dass man im Hotel keine eigene Küche hat. Aber den Edelfisch gibt es  auch in den Restaurants!

So hatten wir wieder wunderbare Erlebnisse am Schwarzen Meer, und es fiel schwer wieder Abschied zu nehmen – bis zum nächsten Jahr!

 

 


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