Jordanien im Oktober 2022

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Hätten wir jemals gedacht, dass wir einmal Jordanien bereisen werden?

Dokumentationen über die Felsenstadt Petra und Lobeshymnen von Freunden haben uns zu diesem Entschluss gebracht. Die Reiseplanung war ganz einfach, da man online vom Mietwagen über die Hotels bis zum Jordanpass alles erledigen kann. Und so sah nun die Planung vom 1.-8.10.2022 aus:Mit dem Mobility-Service der Emirates waren wir wieder schnell am Gate, und der Flug verlief  sehr angenehm. Auch im Airbus der Emirates gibt es im Sitz die „Weltsteckdose“ sowie USB-Anschlüsse, die im Gegensatz zum Flughafen München sogar funktionieren!Aber oh Schreck: mein Koffer kam in Amman nicht an.

Am Schalter für verlorenes Gepäck mussten wir anstehen, bis klar war: Koffer ist noch bei der Security – die haben sich am Rolator gestört. Nach dem Durchwühlen des Koffers konnten wir endlich zum Mietwagen und mussten dann in der Dunkelheit uns durch die Staus zum Monarch-Hotel durchwühlen.

Aber dort bekamen wir einen ganz freundlichen Empfang und das Hotel übertraf sogar unsere Erwartungen mit einem erfrischendem Pool und tollem Frühstücksbuffet. Kaum waren wir im Zimmer, kam schon ein Riesenobstkorb.Unser morgendlicher Ausflug aber führte uns nach Jerash zur weltweit besterhaltenen Römerstadt Gerasa. Auch tagsüber herrscht auf Ammans Staßen Chaos, und es gilt  das Recht des Stärkeren. Ein ständiges Hupkonzert ist wohl Ersatz für Verkehrsregeln.

Aber wenn man aus der Stadt heraus ist, fährt es sich angenehm mit Aussichten auf Moscheen, Freileitungen, überall mit glänzenden Tellern winkende Jungs, kahle und hell bebaute Berge.Natürlich rufen die etwas anderen Mittelspannungsleitungen mein Interesse hervor.Bald sind wir schon in Gerasa und erwischen den letzten Parkplatz am Eingang! Da geht es erst einmal durch den Basar vor dem Eingang, und wieder will jeder nur das Beste für uns.Aber ein Palästinensertuch muss ja wohl sein!

Der Aufstieg bis zum Hadriansbogen ist recht schweißtreibend.Aber oben angelangt eröffnet sich die ganze Weite dieser antiken Stadt.Die Umfassung des Hippodrome neben dem Hadriansbogen ist hier mit beachtlichen Rundbögen geschmückt und  am Ende des antiken Stadiums sieht man die Ruinen des Zeustempel.Am Südtor aber ist erst einmal Fototermin, bis es weiter geht zum Forum.Hier sieht man den Zeustempel von der anderen Seite und natürlich auch das Amphitheater.Entlang den Säulen am Weg sieht man links und rechts die Ruinen von Tempeln, der Kathedrale und des römischen Bades.Aber dann bekommt man einen erhabenen Blick auf das Forum!Um ins Amphitheater zu kommen, muss man auch wieder Berge erklimmen. Aber die Anstrengung lohnt sich ungemein. Hier spielen Jordanier auch arabische Musik auf Dudelsack! Dudelsack – eine Tradition aus dem Transjordanischen Armekorps der britischen Streitkräfte im 2. Weltkrieg.Auf dem Rückweg begegnen wir wieder dem aufdringlichen jungen Mann – angeblich Syrer, der mir ständig ein Tuch „designt von seiner Mutter“ schenken wollte. Um ihn loszuwerden, gab ich ihm 5 Dinar und hatte meine Ruhe. Nun wollte er 20 Euro 1:1 in Dinar tauschen. Nur mit Hilfe von Natalie wurde ich ihn ohne weiteres Lösegeld los.

Ein berauschendes Erlebnis, diese antike Stadt.

Am Nachmittag aber war die Altstadt von Amman unser Ziel.Ein Uber-Fahrer stand nach 2 Minuten vor der Hoteltür. Das Angebot für die 18 km war 4,50 Dinar – 6,50 €. Es lohnt sich also, ein Hotel am Rande des Zentrums zu nehmen, denn Taxifahren ist in Amman unfassbar preiswert, und die Fahrer sind dankbar für jeden Dinar Trinkgeld.

Wir hatten Glück, der Fahrer war Katholik und wollte uns auf der Fahrt zur Grand Husseini Moschee  im Zentrum der Altstadt unbedingt noch andere Sehenswürdigkeiten zeigen. Wir kamen vorbei an modernen Sportstätten, Hotels und Malls.

Die King Abdullah Moschee beindruckt als wohl schönster Bau in Amman.Gerade mal um die Ecke kommt schon die Hauptkirche der Kopten und dahinter die orthodoxe Kirche.Es gibt an den Straßen auch Liquor Shops, und der Fahrer lobt den eigenen jordanischen Wein. Weiter geht es von Weitem vorbei an der Zitadelle auf dem Hügel und dann am römischen Theater unter uns.Wir tauchen nun in die belebten Straßen der Altstadt ein und verlassen unseren Fahrer an der Husseini Moschee. Hier pulsiert das Leben.Ein orientalischer Verkaufsstand neben dem anderen.

Ein Paradies für Damen – insbesondere was Oberbekleidung, Dessous oder Handtaschen betrifft. Ein Paradies für Natalie –denn  hier gibt es Stoffe aller Art, wunderschön und zum Schnäppchenpreis. Der Stoffhändler aber war so zufrieden, dass er gleich noch einen Kuchen spendiert.Mich beeindrucken da eher die Gewürzläden, und wundern tue ich mich über die Mischung aus Spielzeug – von der Barbiepuppe bis zur Kalaschnikow.Nun wollten wir gern in einem der traditionellen Restaurants zu Abend essen.Leider sind die nur über enge Treppen zu erreichen.

Da entscheiden wir uns doch für das Restaurant im 4. Stock vom Art-Hotel. Das sieht zwar von außen nicht so romantisch aus, liegt aber höher und bietet die gleiche arabische Gemütlichkeit. Wir genießen die abendliche Dämmerung mit Begleitung des Muezzin-Gesangs, gutem Essen und phantastischen Ausblicken auf die Berge Ammana sowie die unter uns liegenden Restaurants und Straßen.Für die abendliche Rückfahrt bot sich wieder ein angeblicher Taxifahrer an. Aber als er nicht wusste, wo das Monarch-Hotel liegt, bestellten wir lieber schnell einen Uber-Fahrer. Los ging es durch die farbenfrohen abendlichen Straßen Ammans.Am Montagmorgen wartet auf uns nach freundlicher Verabschiedung vom Hotel die Fahrt nach Petra, zunächst heraus aus dem hupenden Gewühl der Ammaner Magistralen und dann absolut erholsam die Fahrt über den nahezu freien Desert Highway – 200 km durch Wüste, abgelöst von kleinen schäbigen Orten.

Die letzten 40 km ging es dann auf Landstraße weiter, bis sich vor unseren Augen das Tal von Petra mit seinen atemberaubenden Felsformationen öffnet.Petra ist eine berühmte archäologische Stätte in der südwestlichen jordanischen Wüste.

Nur 100 m vom Eingang entfernt begrüßt das Moon-Hotel**** in Wadi Musa mit geräumigen klimatisierten  Zimmern, Veranda, Bad und WC. Darüber hinaus gibt es einen Dachgarten mit einem Außenpool.

Sofort kommt Hilfe für die Koffer, und wir sind in einem Zimmer mit Rundumaussicht.Wir gehen dann die 100 m zum Eingang der historischen Stadt Petra. Da wollen wir den Besuch für morgen schon mal klären.

Zwei gute Nachrichten: man kann einen Golf-Car für die Fahrt durch die Felsenstadt mieten, und es gibt frisch gezapftes Bier!

In der Höhe steht das Petra-Museum, das wir auch gleich noch besuchen.Das Gebiet der Felsenberge gehörte in der Frühzeit zu Mesopotamien, kurze Zeit zu Persien bis Mitte des 6. Jh. BC die Nabatäer kamen.

Interaktive Schaubilder aber auch Skulpturen aus verschiedenen Epochen – von der Nabatäerzeit über römische und byzantinische Epochen stellen sehr eindrucksvoll die besondere Geschichte Petras dar.

Die Hauptstadt Petra des einstigen nabatäischen Königreichs geht in etwa auf das Jahr 350 BC. zurück. Eine Broschüre zeigt die Monumente der Felsenstadt in heutigem und möglichem früheren Aussehen.Anschaulich werden die Handelsbeziehungen und die handwerklichen Fähigkeiten der Nabatäer dargestellt.

Ein interessanter Auftakt unsere Exkursion!

Nun können wir den großzügigen Pool auf der Dachebene zur Erfrischung nutzen.Das Hotel bietet ein sehr umfangreiches, reichhaltiges Dinner auf der Dachterrasse. Na da machen wir doch mit.Hier können wir beim Sonnenuntergang arabische und kaukasische Gerichte genießen.Am nächsten Morgen können wir gleich einen Golf-Car besetzen. Und ab geht es über breite Schotterwege hinunter vorbei an den Obeliskgräbern zum Eingang des Al Siq, der Felsenschlucht.Der Zugang durch diese enge Schlucht führt zu Grabstätten und Tempeln, die in rosafarbene Sandsteinklippen gehauen wurden und der Stadt so den Spitznamen “Die Rote” verliehen. Auch in der Schlucht sieht man Kunstwerke in Felsen gehauen. Teilweise ruckelt es über gepflasterte Wege, die wohl noch aus der Römerzeit stammen.

Das Ruckeln ist extra Massage meint unser Fahrer.Am Ende der Schlucht eröffnet sich uns das wohl berühmteste Gebäude,  der 45 m hohe Khazne al-Firaun, ein Tempel mit verzierter Fassade im griechischen Stil, der Schatzhaus genannt wird.Auf dem weiten Platz tummeln sich aufdringliche Händler, Kamel- und Eseltreiber. Hier wird streng kontrolliert, ob wir auch die Weiterfahrt bezahlt haben, und man will meinen Rollator aus dem Wagen nehmen, damit zwei weitere Besucher mitfahren können.Unser Fahrer aber setzt sich durch, und wir können nach Fototermin, viel Gezeter und dem Kauf von drei Silberarmreifen für die Dubaier Buchholzfrauen weiterfahren in die Fassadenstraße.

Bald schon sind wir am High Place of Sacrifice – an der hohen Opferstätte.Hier erleben wir, was die Sonnenstrahlung in der Farbgebung der Felsen ausmacht.

Etwas Schatten – rötlich, in der Sonne daneben ein helles gelb.

Weiter geht es zum Amphitheater linkerhand. Das Amphitheater wurde wohl zur Römerzeit angelegt und seine Galerie ist noch gut erhalten.Rechts davon aber weiter oben an den Felswänden tauchen die Königsgräber auf. Die Eseltreiber bieten den Ritt nach oben an, aber uns reicht der monumental-erhabene Anblick von unten.Weiter durch die Kolonaden-Straße sieht man links den großen Tempel.

Fast am Ende des Tals sieht man rechts die Überreste einer byzantinischen Kirche. Die Ruine der Kirche befindet sich auf dem Hügel über der Säulenstraße. Das moderne Dach schützt die dreischiffige Basilika mit ihren wunderbaren Mosaikböden.Voraus aber stehen noch das „alte“ Museum und der Tempel Qasr al Bint. Dieser Tempel war vermutlich den nabatäischen Hauptgöttern al-Uzza und Duschara geweiht.

Das antike Museum befindet sich im Inneren des natürlichen Felsens in einer der nabatäischen Höhlen. Dieses Museum ist der Ausstellung architektonischer Ornamente und Steinskulpturen aus der nabatäischen, römischen und byzantinischen Zeit gewidmet.

In steilen Serpentinen kann man noch zum alten Kloster Ad Deir nach oben wandern. Aber das sollte man in unserem Alter lieber sein lassen.

Auch auf dem Rückweg hat man noch sagenhafte Motive zum Fotografieren und kann sich vorstellen, wie die Wasserversorgung dieser Felsenstadt funktionierte.

Mit dem Elektrofahrzeug haben wir diesen gewaltigen Ausflug in 2 Stunden bewältigt. Gern wollten wir dem Fahrer Trinkgeld von umgerechnet 8 € geben (5 Dinar). Aber der verlangte gleich 10 Dinar – er hatte uns wohl weiter gefahren als zulässig „good driver – good money!“ Naja, in Jordanien geht es eben etwas ruppiger zu als in den Emiraten. und wir wollten ja gut bis zum Ausgang kommen.

Nun verabschieden wir uns aus dem Hotel und gelangen nach vielen Kurven durch Wadi Musa auf den Kings Road, die Königsstraße. Sie wird wohl in den Reisebeschreibungen gelobt, weil es sehr kurvig, durch kleine hässliche Orte sowie steil über Tal und Berg geht. Stets muss man aufpassen, denn sehr oft kommen solche Straßenhuckel als Bremsschwellen, die die Geschwindigkeit begrenzen sollen. Die gibt es bei uns auch und auch in Dubai – nur hier sind sie keineswegs gekennzeichnet, nur grau wie auch die Straße und statt aus Hartgummi aus Beton. Wir waren also froh, dass wir nach 40 km wieder auf die Wüstenautobahn kamen und zwar direkt in der Wüste von Wadi Rum, die Wüstenlandschaft mit steil in den Himmel ragenden Felsenbergen.Der Anblick ist faszinierend und atemberaubend. Eigentlich war ja im Plan, eine extra Wüstentour zu buchen. Aber das brauchen wir nun wirklich nicht mehr. Wir haben die Wüste gesehen und müssen nicht unbedingt durch den Sand fahren.

Der Navi führt uns in Richtung Containerhafen an der saudischen Grenze und bei den vielen LKW kann man sich gar nicht vorstellen, dass uns daneben ein Urlaubsparadies erwarten soll. Aber dann sehen wir die modernen und parkähnlichen Ferienanlagen von Tala Bay, etwa 20 km südlich von Akaba.

Auch das Marina Plaza macht vom Äußeren einen guten Eindruck.Aber das Hotel hat zwar drei hohe Stockwerke – nur keinen Fahrstuhl. Unser Executive-Zimmer liegt natürlich im 3. Stock zur Seeseite. Ein junger Mann schaffte es doch tatsächlich mit beiden Koffern, meinem Rucksack und der Getränke-Kühltasche in einem Ritt die drei Etagen zu bewältigen,

Unser Zimmer ist dieses Mal nicht berauschend. Die Möbel sind wohl noch aus der Zeit der Nabatäer – so primitiv und abgenutzt, die Vorhänge sind schmutzig, im Bad sind die Fliesen abgebrochen, es gibt im Zimmer keine Sitzgelegenheit (Sie haben doch zwei Plastikstühle auf dem Balkon!) und nur eine Steckdose hinter dem Schreibtisch, und wenn man den vorzieht liegt dahinter der Dreck mehrerer Generationen.

Die Klimaanlage funktionierte zwar, aber eben so laut wie ein  Traktor.Zum Glück hatten wir Seeblick gebucht. Die Gäste mit Blick zum Pool mussten abends lange Lärmbelästigung ertragen. Apropos Pool, die Liegen da sind derart durchgelegen, dass ich nur mit Mühe da heraus kam. Und schmutzig sind sie auch noch.

Also bestimmt kein ****Hotel – erstmals habe ich für ein Hotel im Review mangelhaft vergeben.

Aber das Frühstück war in der Woche okay, während zum Wochenende dichtes Gedränge herrschte, aber da fuhren wir ja schon wieder weiter.

Dafür hatten uns der schöne Strand mit viel Schatten und bequemen Liegen sowie die mondäne Gestaltung des Yachthafengebiets mit Restaurants und Shops versöhnt.Am Strand konnte man die klitschigen Steine beim Badengehen vermeiden, denn man gelangte von einer Seebrücke per Leiter ins Wasser. Für meine Füße war das Gold wert.Nach Westen sah man die ägyptische Küste mit dem Sinai-Gebirge. Im Norden konnte man die weißen Hotelbauten der israelischen Hafenstadt Eilat erkennen.

Hier gefiel es uns so gut, dass wir auf Ausflüge in den zwei Badetagen verzichteten, zumal uns andere Urlauber vom Besuch des nördlichen Akaba abrieten.

Sehr gut essen konnten wir auch im Fischrestaurant, und natürlich gab es kein Problem mit alkoholischen Getränken. Nur teuer sind sie eben. Auch ein Magnum-Eis gab es.Im Liquor Shop gab es sogar Perrier mit Preisangabe– in Jordanien ist es nämlich  schwer Mineralwasser mit Kohlensäure zu bekommen und Preisangaben in den Regalen sind auch selten. Die beiden letzten Flaschen für umgerechnet 2,20 € nahm ich gleich mit. Ja, morgen versprach der Verkäufer mehr! Am nächsten Tag verlangte er aber gleich 3 €, und das Preisschild war weg.

So verging die Zeit wie im Fluge, und an den Abenden konnten wir den schönen Blick vom Balkon genießen sowie ein Gläschen Wein trinken.Nun konnte die letzte Etappe unserer Reise beginnen. Quer durch Akaba ging es zur östlichen Landstraße, die direkt zum toten Meer führt, so wie es uns Navi empfohlen hat. Die Stadt Akaba ist sowohl reich an ihrem Erbe als auch ihrer Geschichte. Die antike Stadt florierte unter den vielen Epochen und erlebte eine Vielzahl unterschiedlicher Dynastien. In biblischen Zeiten war die Stadt als Elot bekannt. An Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt Ausgrabungen der antiken islamischen Stadt Ayla, die eine Raststelle für Pilger war und eine Mamelukenburg. Die Burg wurde ursprünglich als Kreuzritterburg erbaut und von den Mamelucken im 14. Jahrhundert, genauer gesagt im 16. Jh. während der Herrschaft des letzten Mameluken-Sultans, weitgehend umgebaut und danach mehrmals verändert.Die Straßen der Stadt waren am Freitag recht leer, so dass wir schnell auf die Fernverkehrsstraße gelangten, nicht ohne an einer Zollsperre anhalten zu müssen.

Das Gebiet um Akaba ist eine Sonderwirtschaftszone, und so gibt es Zollgrenzen.

„From where?“– „Germany“, „Welcome in Jordan!“ –  kurzer Blick in den Kofferraum und weiter ging es 200 km durch Wüstenlandschaft, kurzzeitig unterbrochen durch einige Oasen und Ortschaften, die nicht sehr einladend aussahen, aber alle wunderschöne Moscheen hatten.

Die Straße war wirklich eine gute Entscheidung. Wir waren nahezu allein unterwegs, nur zweimal hielt uns eine Polizeikontrolle auf.

Einmal wollten sie die Zulassung sehen, das andere Mal woher wir sind und nach „Germany“ gleich freundlich weitergewinkt.

Ansonsten hatten wir freie Fahrt bis wir vor uns das Tote Meer sahen.Erst am tiefsten Punkt der Erde (400 m unter Meeresspiegel) in Hammamat Ma‘In zweigten auch tiefe Schluchten in das Gebirge ab. Hier kam eine lange Schlange von Motorradfahrern aus den Bergen, und wir mussten erst mal anhalten.Im Toten Meer zu baden hatten wir nicht vor, denn das geht nur an Hotelstränden weil man sich nach der Salzlösung unbedingt abduschen muss. Aber das Tote-Meeres-Museum hätten wir gern besucht, denn von hier soll man die schönste Aussicht haben.

Aber dazu ging es erst mal in engen Serpentinen ab in die Höhe.Oben angelangt, konnten wir doch nicht in das Panoramagelände einfahren: Die Motorradgang hatte geschlossene Gesellschaft gebucht. Schöne Aussichten hatten wir aber auch ohne das Museum.Also ging es weiter die Serpentinen hoch bis zum Berg Nebo. Der Berg Nebo mit einer Höhe von 808 m bietet eine Aussicht in das Jordantal, auf das Tote Meer und nach Palästina und Israel.Die religiöse Bedeutung des Berges wurde von Papst Benedikt XVI. bei seiner Pilger-reise zu den Heiligen Stätten am 9. Mai 2009 auf folgende Weise beschrieben: „Von diesem heiligen Berg lenkt Mose unseren Blick auf die Erfüllung aller Verheißungen Gottes in Christus.“

Mit verständlichen Worten: Hier soll Moses das gelobte Land erblickt haben bevor er sterben musste. Auf der Spitze des Berges wurde um 393 eine Kirche erbaut und seitdem immer wieder umgestaltet.

Im 7. Jahrhundert war der Gipfel des Nebo ein vielbesuchtes Ziel von Pilgern. Von der ursprünglichen Kirche sind nur wenige Reste übrig – Steinblöcke und Teile des Mosaikbodens.Die heutige Kirche auf dem Nebo ist seit 1932 im Besitz des katholischen Franziskaner-ordens. In ihr werden Mosaiken mit Jagdszenen, Löwen und Gazellen ausgestellt. Die Taufkapelle aus dem Jahr 531 enthält ein Mosaik aus dem 6. Jahrhundert, ebenfalls mit Tierdarstellungen.Daneben wurde ein modernes Kloster für die Franziskaner erbaut, das auch Archäologen beherbergt. Es gibt ja in dieser Gegend noch sehr viel archäologisch Interessantes zu entdecken.

Daneben, aber außerhalb des Bergeländes gibt es einige Hotels für die Pilger, sicher auch für Johannes Paul, der mal auf dem Berg stand. Besonders sponsorfreudige Pilger bekommen ihre Namen vor einer Gedenktafel in den Boden geschrieben.Das Zentrum von Madaba ist nur 8 km vom Berg entfernt. Madaba – eine atemberaubende Stadt wird in der Bibel mehrfach erwähnt. Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam die Stadt unter nabatäische Herrschaft, ab 106 n. Chr. war sie Teil der römischen Provinz Arabia. Im 4. Jahrhundert war die Stadt Bischofssitz, 614 wurde sie von den Persern erobert. 746 zerstörte ein Erdbeben die Stadt, die daraufhin von den Bewohnern aufgegeben wurde und verödete. 1880 wurde sie von Christen wiederbesiedelt, wobei unter Schutt alte Mosaiken gefunden wurden. 1897 gab es noch Reste von 10 Kirchen. An Originalstandorten wurden zunächst ein archäologischer Park und 1978 ein Museum errichtet, das auch archäologische Funde zeigt.

Im Aitch Boutique Hotel in der Innenstadt von Madaba werden wir sehr freundlich empfangen. Trotz Saisonschluss ist auch noch der Pool im Betrieb – das Wetter ist ja so schön! An der Bar gibt es alle Arten an Getränken und eine gute Speisekare im Restaurant. Hier möchten wir gern zu Abend essen. Aber zuvor sehen wir Madaba von oben. Auf dem Dach der City Mall erleben wir das Panorama der Stadt im Angesicht der untergehenden Sonne bei frisch gepressten Fruchtsäften. In diesem Dach-Restaurant sind heute nur Wasserpfeife rauchende junge Damen anwesend. „Männer müssen arbeiten“.Am Morgen besichtigen wir die Sehenswürdigkeiten von Madaba. Sie befinden sich alle nicht weit vom Hotel!Aber kaum haben wir die Altstadt betreten, macht mein Rollator Probleme. Nach all den holprigen Wegen ist das linke Vorderrad gelöst und fällt gleich ab. Sofort stehen mehrere Helfer bei mir, und versprechen das zu reparieren. Geh erst mal in die St. Georgskirche, und danach ist es wieder ganz.Der erste Helfer, der dann alle Verwandten berief, vergisst nicht zu erwähnen, dass er gegenüber einen Souvenirladen betreibt. Na und nachdem der Rollator wieder nutzbar ist, kaufen wir natürlich die sowieso beabsichtigten Souvenirs bei ihm ein.

So waren wir alle zufrieden, und ich konnte die Besichtigung von Madabas historischen Orten problemlos fortsetzen.Der Touristenmagnet schlechthin in Madaba sind die vielen Mosaike, die in Kirchen und archäologischen Ausgrabungsstätten besichtigt werden können. Das berühmteste Mosaik aber befindet sich in der griechisch-orthodoxen Kirche St. Georg, gleich gegenüber dem Souvenirladen.Die Landkarte Palästinas mit den bekannten biblischen Orten stammt aus dem Jahr 1560 und enthielt in ihrem Originalzustand über zwei Millionen Steine. Heute kann man nur noch Teile der Karte in der Kirche bestaunen. Wir bekamen aber einen ganz guten Eindruck, wie riesig sie mal gewesen sein muss.In der Kirche klingt Choralgesang, und die gesamte Ausstattung ist so reichhaltig, wie wir das von den orthodoxen Kirchen kennen.Weiter durch die belebten Basarstraßen kommen wir zum archäologischen Museum.Hier gilt der Jordanpass als Eintrittspreis, wie auch schon in anderen Museen. Ein Herr schließt sich ungebeten an und liefert Erklärungen. Zu Schluß beansprucht er Bezahlung. Naja, die Leute müssen ja auch von was leben.Letzte Station sind nun die Ruinen und Mosaike der Kirche „Johannes der Täufer“.Nun heißt es im Hotel Abschied nehmen, nicht ohne Erfrischung im Pool. Der Flughafen ist nur 18 km von Madaba entfernt, und die Rückreise nach Dubai verlief reibungslos.

Madaba war für uns ein grandioser Abschied von unserer Rundreise durch Jordanien. Wir haben einiges über die Geschichte gelernt und von Einheimischen viel über ihre Kultur erzählt bekommen.


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